Der Kampf um die Quadratmeter

Logistikunternehmen lagern mehr Ware ein, um sich vor Lieferengpässen zu schützen. Doch der Platz ist begrenzt.

Der Mangel an Lagerfläche ist eine der jüngsten Folgen der Corona-Pandemie. Der E-Commerce Boom verschärft die Situation zusätzlich. Laut der Immobilienberatungsgesellschaft CBRE benötigt alleine dieser Sektor vier Millionen weitere Quadratmeter bis 2025. Das Problem: Es steht nur wenig bis gar kein Platz mehr zur Verfügung, um Waren zu lagern. Amazon hingegen steht vor ganz anderen Herausforderungen.

Lagerflächen sind Mangelware

Während Lagerfläche überall hart umkämpft ist, stehen bei Amazon die Warenlager leer. Der Online-Versandhändler hat während der Corona-Pandemie enorm von den Lockdowns und dem damit explodierenden Online-Shopping profitiert. Um der Nachfrage gerecht zu werden, hat der Konzern zahlreiche neue Warenlager gebaut. Marc Wulfraat von der Logistikberatungsfirma mwpvl stellt fest, dass Amazon in zwei Jahren so viel Lagerfläche geschaffen hat wie Walmart, die größte amerikanische Supermarktkette, in einem halben Jahrhundert. 

Während die Überkapazität in den USA durch Untervermietung an Drittanbieter ausgeglichen werden kann, zeichnet sich in Europa ein anderes Bild. Die Einkaufsmüdigkeit der Verbraucher lässt den Umsatz sinken. Diese Entwicklung könnte sich mit der Inflation und dem Krieg in der Ukraine noch verschärfen. Die Zeichen stehen bei Amazon dennoch auf Wachstum, wenn auch etwas langsamer als in den letzten Jahren. Langfristig wird dadurch die Überkapazität wieder ausgeglichen.  

Amazon bleibt aber eine prominente Ausnahme. Überall sonst ist Lagerfläche heiß begehrt. Laut einer Studie der CBRE Group erreichte der deutsche Industrie- und Logistik-Immobilienmarkt im ersten Quartal 2022 einen Flächenumsatz von 2,4 Mio. m². Im Verhältnis zum ersten Quartal 2021 ist das ein Anstieg von 15 %. 

Das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage treibt auch die Mieten in die Höhe. In den Top-5-Märkten stieg die durchschnittliche Spitzenmiete im Vergleich zum Vorjahresquartal um 6,9 % auf 6,88 €/m²/Monat und die durchschnittliche Spitzenmiete der anderen Logistikregion um 5,9 % auf 5,48 €/m²/Monat. Der Handel ist dabei mit 35 % Bedarf der klare Treiber dieser Entwicklung, gefolgt von der Industrie mit 30 %.

Bild: CBRE Research: Deutschland Logistikmarkt Q1 2022
Neue Ansätze sollen Lagermangel entgegenwirken

Die fehlende Lagerfläche führt bei den Logistikunternehmen dazu, neue Wege einzuschlagen, um mit der Knappheit von Lagerflächen fertig zu werden. 

Eine Option für einige Unternehmen sind mehrstöckige Lagerhäuser, um das Maximum aus einer Fläche herausholen zu können. Das Allheilmittel ist diese Überlegung aller Wahrscheinlichkeit nach aber nicht, da der Bau von zweistöckigen Lagerhallen mit enormen Kosten verbunden ist.  

In dicht besiedelten Gebieten und Städten ist zunehmend die Umnutzung von vorhandener Fläche im Gespräch. Geschäfte, die während der Corona-Pandemie geschlossen wurden, sollen in Zukunft als Lager genutzt werden. 

Intralogistiklösungen sind gefragt

Laut des VDMA-Fachverbands ist das Produktionsvolumen für Fördertechnik und Intralogistik 2021 auf 22,6 Milliarden Euro in Deutschland gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Anstieg von 6 %. Dieses Wachstum kann maßgeblich mit der Corona-Pandemie begründet werden. 

“Lieferengpässe und Materialmangel führen in vielen Bereichen zu veränderten Konzepten in der Bevorratung und Produktionsversorgung. Entsprechend ist die Nachfrage nach Intralogistiklösungen gestiegen“, erklärt Steffen Bersch, Vorstandsvorsitzender des VDMA-Fachverbands Fördertechnik und Intralogistik und CEO der SSI Schäfer Gruppe. 

Digitale Lösungen gegen die Platzknappheit

Um Lieferengpässe zu vermeiden und Lagerhallen optimal zu nutzen, müssen Warenlager digitaler werden. Mit dem Einsatz von IoT und Big Data Analytics werden Lagerhallen zunehmend transparent und ermöglichen so die maximale Nutzung der vorhandenen Kapazitäten. 

Beispiele, die veranschaulichen wie digitale Lösungen zur Optimierung der Lagerverwaltung beitragen, gibt es viele. So sind mithilfe von künstlicher Intelligenz und Sensorik Informationen über Anzahl und Position von Ware jederzeit in Echtzeit abrufbar. Autonome Roboter verbessern die Transportwege, indem sie auf engen Fahrwegen unfallfrei und schnell Waren durch die Lagerhallen manövrieren.

Unser Flottenmanagementsystem optimiert die Abläufe im Warenlager, indem es die Daten aller im Lager eingesetzten Gabelstapler analysiert und dadurch individuell auf die Flotte zugeschnitten Handlungsempfehlungen gibt. Sie möchten mehr erfahren? Kontaktieren Sie uns hier

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