Invasion in die Ukraine: Russlands schwächelnde Logistik

Russland gilt als militärische Großmacht. Dennoch gelingt es der Armee nicht, die unterlegenen ukrainischen Streitkräfte zu schlagen. Dabei spielt die logistische Planung des russischen Militärs eine entscheidende Rolle.

Hinter jeder Armee steht ein riesiges Versorgungsnetz. Jeden Tag werden große Mengen an Lebensmitteln benötigt, ganz zu schweigen von Wasser, medizinischer Ausrüstung und Munition. Und dann ist da noch der Treibstoff, der die Panzer und Lastwagen antreibt, die sowohl die Truppen als auch den Nachschub an die Frontlinien bringen. Versagt die Logistik, hat das direkte Auswirkungen auf die Kampfhandlung.

Die Ukraine versucht die russischen Einheiten zurückzudrängen.
Russische Einheiten: Gestoppt von der eigenen Logistik

Das russische Militär transportiert fast alles auf ihrem Schienennetz. Außerhalb des eigenen Landes stoßen sie dabei an ihre Grenzen. Denn um ihre Truppen über die Landesgrenzen hinaus über den Schienenverkehr zu versorgen, müssten sie das Schienennetz in der Ukraine an strategisch wichtigen Punkten unter ihre Kontrolle bringen. Solange sie Knotenpunkte wie Charkiw, Cherson oder Saporischschja nicht kontrollieren, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als Lastwagen zu nutzen. Da das russische Militär sonst aber nicht auf die Nutzung von Straßen angewiesen ist, haben sich schlicht und ergreifend zu wenige Fahrzeuge parat, um ihre Truppen zu versorgen.

Zahlreiche Beiträge in den sozialen Netzwerken zeigen verlassene Panzer und zurückgelassene, aber fahrtüchtig erscheinende Lastwagen. Das legt die Vermutung nahe, dass die russischen Truppen ihre Fahrzeuge aufgeben, nachdem ihnen der Treibstoff ausgegangen ist.

Militär-Experten schätzen, dass in der Ukraine operierende russische Einheiten etwa drei bis fünf Tage Munitions- und Lebensmittelvorräte hätten. Ähnlich sei die Lage bei der Versorgung mit Kraftstoff. Die Ukraine ist allerdings fast doppelt so groß wie Deutschland. Dadurch wurden die russischen Kolonnen physisch von ihren Versorgungsbasen getrennt und die Versorgungskette unterbrochen. Um die strategisch wichtigen Ziele zu erreichen, müssen die russischen Einheiten jedoch weite Strecken ohne große Verzögerungen zurücklegen. Zum einen ist die russische Logistik nicht darauf vorbereitet lange Transportwege zu bewerkstelligen, zum anderen stoßen sie auf massiven Widerstand der ukrainischen Streitkräfte, was ein reibungsloses Vorankommen erschwert.

Logistischer Knotenpunkt: Der Hafen von Odessa ist der größte des Landes. Circa 70 % aller ukrainischen Importe und Exporte werden in Form von Seefracht getätigt. Über Odessa werden davon etwa 65 % abgewickelt. Bild: Unsplash
Maßnahmen der Ukraine gegen russische Logistik

Die ukrainischen Streitkräfte haben gezielt Tankwagen angegriffen, da diese nicht so gut geschützt sind wie Panzer und somit leichter zerstört werden können. Die logische Konsequenz: Keine Tankwagen, keine Panzer. Denn wenn diese keinen Nachschub an Treibstoff liefern können, bleiben auch die Panzer liegen.

Russland passte sich daraufhin an, indem sie versuchten die Treibstofffahrzeuge zu tarnen. Die Ukraine durchschaute diese Taktik aber schnell.

Genauso wie Russland versucht hat, wichtige Logistik-Infrastrukturen zu beschlagnahmen und zu behalten, hat die Ukraine versucht, diese den Händen Russlands wieder zu entziehen. Die ukrainische Eisenbahngesellschaft bestätigt, dass alle Eisenbahnverbindungen zwischen Russland und der Ukraine zerstört worden seien. Dies war offenbar ein Versuch, Russland die militärische Nutzung zu verwehren.

Zudem verfügt die Ukraine im Gegensatz zu Russland über eine aktive internationale Versorgungskette und hat Waffen und Munition von anderen Nationen erhalten.

Fazit

“Die Infanterie gewinnt Schlachten, Logistik gewinnt Kriege”, stellte schon einst der US-General John J. Pershing fest. Diese Erfahrung macht gerade auch das russische Militär. Die Ukraine hat ihre eigene Logistik geschützt und gleichzeitig die russischen Versorgungsketten ins Visier genommen. Russland hat einen schnellen Sieg angestrebt, die Ukraine aber hat Wege gefunden, um den Krieg in die Länge zu ziehen. Damit haben sie die russischen Einheiten gezwungen, über weite Entfernungen unter schlechten Bedingungen und mit knappem Nachschub zu kämpfen, ohne dabei auf ein strategisch wichtiges Schienennetz zurückgreifen zu können.

Der Krieg wird durch viele unterschiedliche Faktoren geprägt. Der Umgang mit der Logistik auf beiden Seiten zeigt aber, dass militärische Überlegenheit nicht automatisch auch den Krieg entscheidet.

Leidtragende sind in jedem Krieg zuletzt immer die Menschen vor Ort. Diese drei Organisationen helfen direkt der Zivilbevölkerung und den Streitkräften der Ukraine:

www.hospitallers.co.uk

www.bank.gov.ua

www.comebackalive.in.ua