Mit dem Gabelstapler durch die Gläserne Decke

Die Logistikbranche ist bekannt als Männerdomäne. Der Wandel hin zu mehr Diversifizierung zeichnet sich zwar ab, dennoch findet sich in 18,6 Prozent der großen Logistikunternehmen nur eine Frau in der Geschäftsführung. Wir haben mit unserer Produktmanagerin Nora Hänle über ihre Liebe zur IT, ihre Entscheidung in der Intralogistik zu arbeiten und die Chancen für Frauen in der Branche gesprochen.

Fangen wir am Anfang an: Wann hast du gemerkt, dass dich technische Themen besonders interessieren und wie hast du dein Interesse vertieft?

Das war schon sehr früh. Ich konnte es nicht abwarten, in der Grundschule alles über Mathematik zu lernen und habe mich schon vor meiner Einschulung durch alle Unterlagen der Grundschule gerechnet. Mit der Zeit habe ich mich mit immer komplexeren Themen beschäftigt und gemerkt, dass ich es liebe, Lösungen zu finden und komplexe Strukturen auf ihren Kern herunterzubrechen. Nach meinem Abitur Mathematik zu studieren, war daher der nächste logische Schritt für mich.

Schon während meines Studiums habe ich in der Produktion in einem Medizintechnik-Unternehmen gearbeitet und dort auch das Lager verwaltet. In diesem lagen allerdings nur Linsen und weitere Bauteile für Endoskope. Statt Gabelstapler gab es da Pinzetten.

Nach meinem Studium habe ich selbst als Software-Entwicklerin gearbeitet, dann aber schnell gemerkt, dass mir das Strukturieren, Organisieren und Planen rund um die Entwicklung noch mehr Freude bereitet. Seitdem bin ich also im Bereich Anforderungsmanagement/Produktmanagement unterwegs.

Warum hast du dich für einen Beruf in der Intralogistik entschieden?

Als ich auf ForkOn aufmerksam geworden bin, war ich noch für ein großes IT-Consulting Unternehmen tätig. Die Mischung aus Software-Entwicklung und den realen, handfesten Themen der Intralogistik haben mich so sehr fasziniert, dass ich mehr erfahren wollte.

Und ich kann sagen, ich bereue meine Entscheidung nicht: Die Arbeit in der Intralogistik hat für mich hohe Wertigkeit, da Optimierungen hier so viel Potenzial bergen! Es ist ein absolut essentieller Bereich unserer Wirtschaft, der auch nicht verschwinden wird. Hier ressourcenschonend zu arbeiten hat also auch einen gesellschaftlichen Wert.

Vor allem aber hat mich bei ForkOn das Team begeistert. Ich hatte sofort das Gefühl, angekommen zu sein.

Als Produktmanagerin hast du viele unterschiedliche Aufgaben. Wie sieht ein normaler Arbeitstag bei dir aus?

Einen normalen Arbeitstag gibt es bei mit nicht. Das klingt zwar nach einem Klischee, ist aber wahr. Unsere Software-Entwicklung arbeitet nach agilen Prinzipien, daher bin ich jederzeit sowohl mit der Findung, Konzeptionierung und Priorisierung neuer Ideen als auch mit dem Umdenken, Adaptieren oder Entwerfen von Produktfeatures beschäftigt.

Ich arbeite sehr eng mit unserem Entwicklungsteam zusammen. Wir stehen von Anfang an bei der Konzeptionierung und währends des gesamten Entwicklungsprozesses in ständigem Austausch.

Morgens nicht zu wissen, was der Tag so bringt, kann zwar manchmal anstrengend sein, dafür wird es aber auch nie langweilig. Diese Agilität und Flexibilität erlaubt es uns kreativ an Problemlösungen heranzugehen, um so den größten Mehrwert für unsere Kunden zu erzielen.

Wie glaubst du, werden neue Technologien die Intralogistik und Logistik verändern?

Big Data und Automatisierung werden aus meiner Sicht die beherrschenden Themen bleiben. Das reine Erheben von Unmengen an Daten hat ja keinen Mehrwert. Erst durch das Auswerten durch hoch spezialisierte Algorithmen, die nicht nur mit technischem, sondern insbesondere fachlichem Wissen entwickelt und verfeinert werden, entstehen wertvolle Einsichten!

Nicht wer die Daten hat, sondern wer die Daten versteht, hat die Macht. Man ist – wie so oft im Leben – mit Optimierungsproblemen konfrontiert: Das Optimieren einer Größe ist sinnlos, wenn man das Zusammenspiel der unterschiedlichen Größen nicht berücksichtigt und gemeinsam optimiert.

Welchen Rat würdest du Frauen geben, die in bisher eher männerdominierten Branchen arbeiten wollen?

Wenn diese Frage so einfach zu beantworten wäre, wären wir sicher schon einen großen Schritt weiter. Meine Erfahrung: Man darf sich nicht kleinmachen, nicht unter Wert verkaufen. Wenn ich mit Ungerechtigkeiten in irgendeiner Form konfrontiert werde, ist es immer mein Ziel, diese anzusprechen. Ich denke, nur ein offener und transparenter Umgang bringt uns als Gesellschaft weiter und näher zusammen. Eine gute Firma bietet Möglichkeiten und fördert – die Fähigkeiten der Mitarbeitenden stehen im Mittelpunkt.

Wenn unsere Produktmanagerin nicht gerade an neuen Features feilt, geht sie gerne wandern – seit ihrem Umzug nach Köln vornehmlich in der Eifel.