Unternehmensgruppe Saint-Gobain: Wie sieht optimales Flottenmanagement bei einem der 100 innovativsten Unternehmen der Welt aus?

Die große Produktvielfalt, weltweite Standorte und das unternehmenseigene Ziel bis 2050 klimaneutral zu sein, stellt die Logistik von Saint-Gobain jeden Tag vor neue Herausforderungen. Im Interview verrät Henning Diehl, Einkäufer im Bereich Flurförderfahrzeuge, wie Saint-Gobain ihr großes Logistiknetzwerk managt und mit welchen Maßnahmen das Unternehmen seine Gabelstaplerflotte fit für die Zukunft macht.

Herr Diehl, was sind Ihre Aufgabenbereiche bei Saint-Gobain?

Ich bin im Einkauf für die Beschaffung von Flurförderfahrzeugen wie Gabelstapler und Radlader zuständig. Zudem betreue ich noch den Einkauf von Entsorgungsdienstleistungen, Büromöbeln und von Brandschutzeinrichtungen wie Feuerlöscher und deren Wartungsverträge.

Saint-Gobain ist in 70 Ländern tätig und bietet hunderte Produkte und Systeme aus den unterschiedlichsten Bereichen der Baustoffe an. Vor welche Herausforderungen wird die Logistik bei einer solchen Produktvielfalt gestellt?

In jeder Gesellschaft wird die Flottenverwaltung anders gehandhabt. Da ich für verschiedene Gesellschaften verantwortlich bin, stellen die unterschiedlichen Strukturen und Vorgehensweisen eine große Herausforderung für die Arbeit im Einkauf dar.

Ein weiterer Faktor, der uns vor Herausforderungen stellt, sind die unterschiedlichen Anforderungen, die die Gesellschaften an die Fahrzeuge haben. Das fängt schon damit an, ob man Gas- oder Elektrostapler einsetzen kann, da die äußeren Bedingungen teilweise unterschiedlich sind.

Letztendlich ist das Grundproblem, ein Programm zu finden, dass die gesamten Kosten aller Fahrzeuge darstellen kann. Das System muss in der Lage sein, uns sowohl die Fixkosten, die wir beispielsweise durch Leasing und Full-Service-Raten haben, als auch variable Kosten wie beispielsweise Gewaltschäden anzuzeigen.

Dieses Problem zu bewältigen hat meiner Meinung nach höchste Priorität, da wir ansonsten im Einkauf immer ein Informationsdefizit haben werden. Wenn uns nicht alle Informationen vorliegen, ist es für uns enorm schwierig, die Wirtschaftlichkeit der Geräte zu bestimmen. Um diese Entscheidung treffen zu können, braucht es allerdings umfassende Lösungen.

Saint-Gobain entwickelt, produziert und vertreibt Materialien und Lösungen für die Märkte Bau, Mobilität, Gesundheit und andere industrielle Anwendungen. (Bild: Saint-Gobain)

Mittels Fachwissen, intelligenter Automation, Industrie 4.0 und Datenanalyse werden Produktionsprozesse aller Saint-Gobain-Marken untersucht und optimiert. Findet eine solche kontinuierliche Innovation auch bei den Logistikprozessen statt?

Bei den meisten Werken arbeiten wir sehr gut mit dem aktuellen Lieferanten zusammen, sodass die Flotte da dann wirklich auf ein Minimum reduziert ist. Alles, was man ohne Hardware oder Software tracken kann, liegt uns auch transparent vor. Allerdings wissen wir auch, dass es noch mehr Einsparpotenzial gibt, das wir bisher noch nicht erschlossen haben. Von daher haben wir bisher noch keine kontinuierliche Innovation im Logistikprozess für Gabelstapler, bringen aber neue Lösungen nach und nach auf den Weg, da wir wissen, dass auch dieser Bereich viel Innovationspotenzial bietet.

Wo sehen Sie Optimierungsbedarf in der Logistik bei Saint-Gobain?

Vor allem sehe ich großen Optimierungsbedarf bei der Anzahl der Fahrzeuge in den Flotten. Dabei würde es helfen, eine objektive Entscheidungsgrundlage zu schaffen, um die Flotten dann auf dieser Basis so effizient wie möglich gestalten zu können. Dies würde für eine bessere Wirtschaftlichkeit beispielsweise die Vertragsgestaltung, insbesondere Leasingverträge, betreffen. Auch wenn wir, wie ich bereits vorher erwähnt habe, einige Kennzahlen abrufen können, ist auf jeden Fall noch Luft nach oben für eine transparentere Staplerflotte. Dafür benötigen wir aber eine Software, mit der wir die Kosten besser überwachen können, um dann dementsprechend bessere Wirtschaftlichkeitsanalysen erstellen zu können. Überhaupt erst einmal ein System zu finden, das diesen Herausforderungen entspricht, ist allerdings keine leichte Aufgabe.

Was ist der Anspruch von Saint-Gobain an die eigene Gabelstaplerflotte?

Wir haben uns unter dem Purpose “Making the world a better home” das Ziel gesetzt bis 2050 CO2-neutral zu sein. Dies wirkt sich aktuell immens auf alle Bereiche aus, insbesondere auf die Gabelstaplerflotte. Daher erleben wir gerade einen sehr starken Ruck weg von Treibgasstaplern. Dieselstapler kaufen wir schon lange nicht mehr und haben auch nur noch sehr wenige im Bestand. Da wir ab 2023 auch zu 100 % grünen Strom beziehen, ist die Flotte mit den Elektrostaplern dann auch wirklich ressourcenschonend aufgestellt. In Zukunft ist es unser Ziel, Richtung Wasserstoff zu gehen, um sich einer grüneren Technik zu bedienen, die die Nachteile einer Batterie ausgleichen kann, aber gleichzeitig die Vorteile eines Elektrostaplers und Treibgasstaplers vereint. Ansonsten muss die Staplerflotte natürlich genau das können, wozu wir sie brauchen, ohne dabei kostenseitig zu einer zu großen Belastung zu werden.

Unser Anspruch an unsere Flotte ist also in erster Linie eine wirtschaftlich und technisch vernünftige Staplerflotte zu haben, die dabei gleichzeitig möglichst ressourcenschonend ist.

Bis 2050 möchte der Industriekonzern Saint-Gobain CO2-neutral sein. (Bild: Saint-Gobain)

Haben Sie bereits Erfahrungen mit herstellerunabhängigen Flottenlösungen gemacht?

Wir haben Erfahrungen mit unterschiedlichen Flottenmanagementsystemen gemacht, die uns auch teilweise einen guten Überblick über die Flotte geben. Das Problem ist aber, dass wir damit unsere Mischflotte nicht vollumfänglich abbilden können.

ForkOn bietet uns den großen Vorteil, nicht nur eine flottenunabhängige Software nutzen zu können, sondern auch einen gewaltigen Schritt Richtung Digitalisierung zu gehen. Ich erhoffe mir durch ForkOn eine Gabelstaplerflotte, die auch wirklich digital ist, damit ich auch genau das Gleiche sehen kann, wie das Werk. Insbesondere bei den Eigentumsstaplern ist das für uns interessant, da diese erst einmal von den Kosten nicht so auffällig sind und die Gefahr besteht, dass wir sie aus den Augen verlieren könnten.

Aus meiner Sicht hat ein transparenter Überblick über die Flotte oberste Priorität. Konkret bedeutet das zu wissen, welche Fixkosten und welche variablen Kosten das Gerät verursacht, um dann Maßnahmen ableiten zu können. Da wir immer mal wieder Gewaltschäden an unseren Geräten haben, interessiert es uns hier besonders, welche Maßnahmen wir treffen können, um so etwas in Zukunft zu verhindern.

Ein zusätzlicher Vorteil aus der Zusammenarbeit mit ForkOn ergibt sich daraus, dass wir ein System bekommen, das an der ein oder anderen Stelle individuell auf unsere Wünsche zugeschnitten wird. Ein konkretes Beispiel dafür sind Rollen und Rechte. Da ich für unterschiedliche Gesellschaften arbeite, kann ich natürlich nicht den Zugriff an jeden anderen Kollegen weitergeben. Mit ForkOn habe ich dann die Möglichkeit, durch die Rechtevergabe Voll-User zu erstellen. Somit hätte ich dann praktisch einen Voll-Zugriff über alles, ich kann dann aber auch auf die Werksleiterebene gehen und sagen, dass unser Werkleiter einen Voll-Zugriff auf die gesamte Flotte seines Werkes erhalten darf. In Zukunft verschiedene Ebenen von Rechten zu haben ist für unsere Arbeit essenziell. Darüber hinaus hat ForkOn den Vorteil, dass man das System um Informationen, die bisher noch nicht dargestellt werden können, nachträglich noch erweitern kann. Es kommt immer mal etwas Neues dazu und da ist es natürlich gut, wenn man mit einer agilen Firma zusammenarbeitet, die recht schnell und unproblematisch Lösungen findet.

Zahlen und Fakten über Saint-Gobain (Bild: Saint-Gobain)

Wie muss Ihrer Meinung nach Flottenmanagement aussehen, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben?

Ich denke gerade in Zukunft geht sehr viel in Richtung führerloses Fahren. Das ist in der Automobilbranche schon sehr weit fortgeschritten und wird sich auch in Zukunft auf andere Branchen ausweiten. Generell wird das Thema der Automatisierung weiterhin eine große Rolle spielen. Für uns könnte ich mir vorstellen, dass wir die Automatisierung so weit vorantreiben, dass wir bis zur Verladung keine manuell betriebenen Gabelstapler mehr benötigen. Ein anderes Beispiel mit großem Automatisierungspotenzial sind interne Transporte. Oftmals fahren die Gabelstapler nicht für die Verladung, sondern für interne Zwecke, wie beispielsweise zur Müllentsorgung. Wenn wir diese Prozesse in Zukunft automatisieren und die dadurch eingesparten Ressourcen in andere Tätigkeiten investieren, hat das einen enormen Mehrwert für das Unternehmen.

Unser Interviewpartner Henning Diehl hat ein duales Studium im Bereich BWL mit dem Schwerpunkt Industrie abgeschlossen und sich bereits während des Studiums auf Materialwirtschaft und Finance spezialisiert. Er ist seit über vier Jahren bei Saint-Gobain tätig.