Wie betreibt die DHL effiziente Logistik im Zeitalter der digitalen Transformation?

Jährlich steigende Paketzahlen, kürzere Lieferzeiten, eine Pandemie und hohe selbstgesteckte Ziele: Die DHL steht vor großen Herausforderungen. Mit der Strategie 2025 zeigt sich der Logistikkonzern dennoch zuversichtlich. Aber wie sieht es im Betriebsalltag aus? Im Interview verrät Felix Lorenz, Experte für die innerbetriebliche Logistik bei der DHL, vor welchen Herausforderungen die Branche steht und was Bierpaletten mit der Digitalisierung zu tun haben.

Felix Lorenz, Experte für die innerbetriebliche Logistik bei der DHL. (Bild:DHL)
Was sind Ihre Aufgaben bei der DHL?

Ich bin Teil eines Teams, das aus über 30 Kollegen besteht. Zusammen arbeiten wir an der laufenden Optimierung der Paketzentren der Deutschen Post DHL in Deutschland. Da ich auf den Bereich der innerbetrieblichen Logistik spezialisiert bin, bilde ich die Schnittstelle zwischen unserem Flottenverwalter „Fleet“ und dem Betrieb.

Bei der „Strategie 2025“ steht insbesondere die digitale Transformation im Mittelpunkt. Welche Rolle spielt die geplanten Veränderungen in Ihrem Bereich?

Seit etwa 10 Jahren steigt die Paketmenge in unserem Netz um jährlich circa 10 %, was uns zunehmend an unsere Leistungsgrenzen bringt. Zusätzlich kommt noch die weiterhin anhaltende Corona-Pandemie hinzu, welche unsere Mitarbeiter seit letztem Jahr durchgehend beansprucht. Ohne die digitale Transformation wäre es bei zahlreichen Arbeitsbereichen und Prozessen undenkbar gewesen, dass wir diese Sendungsmengen auf einem zuverlässigen Niveau bearbeiten können. Doch wir wissen, dass wir uns auf den Lorbeeren nicht ausruhen dürfen, da es noch viele Bereiche gibt, in denen der Fokus noch zu sehr auf einer analogen Arbeitsweise liegt. Ein großes Thema wird auch die Zusammenführung aller Digitalisierungsprojekte in ein miteinander harmonisierendes System sein. Ansonsten würden wir die Mitarbeiter mit einer Informationsflut paralysieren, anstatt ihnen alle Zahlen, Daten, Fakten einheitlich zu präsentieren und somit effizientere Prozesse zu schaffen.

Die DHL setzt auf digitale Transformation in allen Geschäftsfeldern. (Bild:DHL)
Können Sie das an einem Beispiel benennen?

Im vergangenen Jahr konnten wir erfolgreich ein über 20 Jahre altes System zur Verwaltung unseres Hofs, also dem An- und Abstellen von Wechselbrücken an korrespondierenden Toren, durch ein eigens entwickeltes System ersetzen. Früher mussten unsere Hofverwaltungskräfte mühselig alle Informationen eines Transportauftrags in eine Maske eintippen. Mithilfe des neuen Systems können nun alle Daten durch Kennzeichen und Transponderlesungen aus einer Datenbank gezogen werden. Dadurch wurden viele Prozessschritte verbessert. Beispielsweise können die Arbeitskräfte die Sortierkapazität maximal ausschöpfen, da sie jetzt mehr Zeit haben, die Wechselbrücken mit den entsprechenden Inhalten mit dem richtigen Auflegeband zu verbinden.

Welche Bedeutung hat die Digitalisierung der Lieferketten?

In meinem Studium gab es ein Spiel zum Thema Lieferketten. Dazu wurden wir in vier Gruppen, die Unternehmen symbolisiert haben, eingeteilt. Der Clou: Zwischen den Gruppen gab es ein absolutes Kontaktverbot.

Die erste Gruppe hat von dem Dozenten einen Zettel mit einem Bedarf an Bierpaletten bekommen. Innerhalb der Gruppe wurde dann diskutiert und im Anschluss der Bedarf an die nächste Gruppe weitergegeben. Ich war in der dritten Gruppe und im ersten Zettel bekam ich einen Bedarf von 10 Paletten des zweiten Unternehmens zugespielt. Im zweiten Zettel stieg der Bedarf auf 50 Paletten und auf den nächsten fünf Zetteln kamen null Paletten an.

Der Dozent hatte am Anfang des Spiels auf seinem ersten Zettel einen Bedarf von vier Bierpaletten geschrieben und auf dem zweiten Zettel einen Bedarf von sechs Paletten. Dieser minimale Anstieg hat dazu geführt, dass jeder sich für den potenziellen Anstieg aus seinem Blickwinkel eindecken wollte. Dieses Phänomen wird auch als der der Bull-Whip-Effekt bezeichnet.

In der Realität existieren zwar keine Kontaktverbote, aber Fehler in der Kommunikation und Sprachbarrieren können zu diesem Effekt führen. Mit zunehmender Digitalisierung wird die Kommunikation vereinfacht, was zu einer geringeren Fehlerquote innerhalb der Prozesse führt.

Paketzentrum der DHL (Bild: DHL)
Wie schätzen Sie den Nutzen einer herstellerunabhängigen Flottenmanagementlösung mit Hinsicht auf die Automatisierung und Digitalisierung von Staplerflotten ein?

Ich sehe den größten Nutzen zunächst in einem analogen Verwaltungsumfeld, da eine herstellerunabhängige Flottenmanagementlösung hier am meisten bewegen kann. Solch eine Lösung kann natürlich auch gut mit einer automatisierten Staplerflotte harmonieren, die allerdings meist homogen von einem Hersteller kommt. Ich habe zwar keine Kristallkugel, kann mir aber gut vorstellen, dass AGV-Anbieter in Zukunft Flottenmanagementlösungen selber in ihre Software integrieren werden. Die Software-Lösung von ForkOn reicht an dieser Stelle aber noch weiter. Neben den klassischen Instrumenten, die alle Flottenmanagementsystem beinhalten, integriert ForkOn zusätzliche Use Cases in die Hard- und Software. Damit werden die Lösungen passgenau auf die Bedürfnisse des Kunden zugeschnitten, was wiederum weniger Streuverlust und mehr Produktivität bedeutet.

Wo sehen Sie innerhalb des Flottenmanagements besonders großen Bedarf für automatisierte Prozesse und digitale Transformation?

Aus Sicht der Deutschen Post DHL sehen wir den größten Nutzen in der Bestandsverwaltung. Unser Bedarf an Flurförderfahrzeugen korreliert stark mit den Paketmengen im Netz. Gleichzeitig müssen wir knapp 40 Standorte allein mit unseren Paketzentren verwalten. Daraus ergibt sich für uns die Herausforderung, den Spagat zwischen niedrigen, kostensparenden Beständen und ausreichend Fahrzeugen zu meistern, um den Betrieb weiterhin gewährleisten zu können.  

Welche Technologien werden Ihrer Meinung nach eine entscheidende Rolle in der Logistik spielen?

Künstliche Intelligenz wird meiner Meinung nach die Informationskontrolle in den Lieferketten über alle Prozesse hinweg deutlich verbessern. Für die innerbetriebliche Logistik ist aus meiner Sicht die intelligente Hindernisumfahrung bei AGVs von großer Bedeutung, da viel Potenzial in restriktiven Umfeldern steckt, die aktuell nicht erschlossen werden können.

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